XVI. Türkischer Internationaler Germanistik Kongress

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Zum Kongress

 

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

 

wir freuen uns, Sie anlässlich des XVI. Internationalen Türkischen Germanistik-Kongresses, der zwischen dem 08.05.2023 und 10.05.2023 an der Marmara Universität in Istanbul stattfindet, einladen zu dürfen. Der Kongress wird von der Abteilung für Deutsche Sprache und Literatur organisiert und steht unter der Schirmherrschaft des Türkischen Germanistenverbandes (GERDER).  

 

Mit dem Thema des XVI. Internationalen Türkischen Germanistik-Kongresses „Germanistik im Wandel der Zeit“ soll die Dynamik und Beschleunigung im gesellschaftlichen Leben und damit die Veränderung, Entwicklung und der Wandel in Sprache und Literatur in den Fokus der Betrachtung gestellt werden. Die wesentlichen Gründe des sprachlichen und literarischen Wandels können vielfältiger Art sein, jedoch impliziert Wandel immer auch einen Bruch mit dem Vergangenen und gestaltet sich oftmals als Umbruch mit folgenreichen Neuorientierungen. Der Aspekt der Zeit lässt sich dabei nicht nur als ein konkreter Zeitraum in der historischen Entwicklung verstehen, in dem sich sozio-historische Umbrüche als lineare Abfolge von Ereignissen rekonstruieren lassen, sondern auch als relatives Konstrukt, das sich in Sprüngen, Schleifen und Verdichtungen äußert, und sich in Wandlungsprozessen niederschlägt, sowohl in der Sprache als auch in der Literatur.

 

Das Thema des Kongresses schließt damit eine große Bandbreite an möglichen Beiträgen aus den Bereichen Literaturwissenschaft, Sprachwissenschaft, Translationswissenschaft und Didaktik des Deutschen als Fremdsprache ein. Die folgenden Themenbereiche sind lediglich als Anregungen zu Beitragsvorschlägen gedacht, wobei auch Themenvorschläge mit unterschiedlicher Akzentuierung willkommen sind.

 

Ausgehend von der Annahme, dass einschneidende Ereignisse Innovationspotentiale freisetzen, werden in der Literaturwissenschaft die einschlägigen Konsequenzen für die Literatur bzw. das verwandte Gebiet des Films zu reflektieren sein. Als einschneidendes Ereignis kann dabei vieles in Betracht kommen. Zu denken wäre an die Globalisierung, die den Blick auf die Welt und den Menschen maßgeblich verändert hat. Postkoloniale Ansätze versuchen, diesem Umstand Rechnung zu tragen. Doch in welcher Beziehung stehen Postkolonialismus und Globalisierung zueinander? Wie wirkt sich die Globalisierung bzw. der Globalisierungsprozess auf Identitätskonstruktionen, auf die Eigen- und die Fremdwahrnehmung aus? Denkerische Neuausrichtungen wie der Postkolonialismus bilden Wegmarken, mit deren Hilfe sich die Theorien- und Methodengeschichte nachzeichnen oder (neu) perspektivieren lassen. Insofern handelt es sich bei kultur- bzw. literaturwissenschaftlichen Theorien um einen Gegenstand, der in hohem Maß dafür geeignet ist, Wandlungsprozesse aufzuzeigen, von denen die Sicht auf Kultur im Allgemeinen und Literatur bzw. Film im Besonderen betroffen sind. Gleiches lässt sich selbstredend über geistesgeschichtliche Epochenumbrüche und entsprechende Neuakzentuierungen in der Ästhetik sagen. Wichtig wäre es außerdem, darüber nachzudenken, mittels welcher Medien sich solche Epochenumbrüche ereignen. Mit der rasanten Entwicklung medialer Techniken verändern sich auch die Formen, in denen Zeit wahrgenommen und aufgezeichnet wird. Das zeigt uns insbesondere die völlig neuartige Erzählweise des Films, das Aufkommen der Fotografie und nicht zuletzt die allseitige Digitalisierung. Interessant wäre die Frage, was derartige Medienrevolutionen der Literatur gebracht oder auch weggenommen haben. Der zeitliche Wandel bzw. die Reflexion darüber schlägt sich nicht zuletzt in den Generationsdiskursen nieder, die in Filmen und literarischen Texten stets aufs Neue verhandelt werden. Oft spielt hier auch die Erinnerungsthematik eine wichtige Rolle, weshalb es sich anbietet, der Frage nachzugehen, wie Erinnerungen zustande kommen oder rekonstruiert werden, und welche Relationen sie zum kulturellen Gedächtnis aufweisen.

 

Mit Blick auf die weiter oben angeführten Schwerpunktsetzungen des Rahmenthemas sind im Bereich der Sprachwissenschaft sowohl theoretische als auch praxisorientierte Beiträge erwünscht. Sprachwandelprozesse sollen dabei sowohl aus diachroner als auch synchroner Perspektive beleuchtet werden. Mögliche Beitragsvorschläge könnten sprachliche Veränderungen auf der morphologisch-syntaktischen, semantisch-lexikalischen oder kommunikativ-pragmatischen Ebene thematisieren und Entwicklungstendenzen in der Sprache herausstellen. Im Fokus stehen könnten auch soziolinguistische Fragestellungen zur sprachlichen Vielfalt (Varietäten, Varianten, Stile), Aspekte der Mehrsprachigkeit (Bi-/ Multilingualismus) und kontaktinduzierte Sprachwandelphänomene aus migrations-linguistischer Perspektive, die Sprachmischungen (poly-/translanguaging) als Bereicherung und/oder Bedrohung behandeln. Des Weiteren ließen sich medienspezifische Sprach- und Interaktionsformen (chatten, bloggen, posten, twittern, skypen) in der digitalen Kommunikation wie auch multimodale (sprachlich/visuell/ikonisch) Ausdrucksformen und -gewohnheiten (Emojis, Gifs, Memes, Reels) als Sprachbereicherung oder -verfall betrachten.

 

Mit den digitalen Technologien hat sich auch der Arbeitsprozess der Übersetzer/innen verändert und in vielerlei Hinsicht ein effizienteres Übersetzen ermöglicht. Folglich sind im Bereich der Translationswissenschaften Beitragsvorschläge erwünscht, die die Anwendung von innovativen technischen und methodischen Ansätzen behandeln. Zudem sind auch Beiträge willkommen, die die Rolle von Übersetzungen in gesellschaftlichen Veränderungsprozessen beleuchten. Darüber hinaus könnte erörtert werden, was Übersetzungen über politische und gesellschaftliche Veränderungen aussagen.

 

Mögliche Beiträge aus dem Bereich der Didaktik des Deutschen als Fremdsprache könnten neben den oben genannten Themenbereichen synchrone und diachrone Betrachtungen von didaktischen und methodischen Konzepten, deren Anwendung und Vermittlung im Unterricht, sowie Spracherwerbs- und Sprachlernprozesse, Sprachformen in den neuen Medien und aktuelle Ansätze in der Unterrichtsgestaltung wie Online-Learning und Hybrid-Unterricht beleuchten.

 

Weitere Beiträge, Anregungen und Themenvorschläge, die in den Rahmen passen, sind erwünscht und können ggf. in das Programm integriert werden.

 

Im Namen des Organisationskomitees verbleibe ich

 

mit freundlichen Grüßen

 

Prof. Dr. Leyla Coşan

Leiterin der Abteilung für deutsche Sprache und Literatur